 |
Am 20. 11. 2009 verstarb Herr Gottfried Hoogen, Gestüt Vogelsangshof, Kevelaer-Kervenheim, im hohen Lebensalter von 89 Jahren. Mit ihm verlieren der Trakehner Verband und der Zuchtbezirk Rheinland eine der bedeutendsten Persönlichkeiten ihrer Geschichte.
Über die Original-Trakehner Stute Marke von Marktvogt aus der J. Feldrose, die mit dem Treck ins Rheinland kam, kam Gottfried Hoogen zum Trakehner Pferd. Er kam wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg zu dieser Stute und war von ihrem Charakter und Temperament derart fasziniert, dass er zum Trakehner Züchter wurde. Schon 1957 zog er aus der Marke seinen im nachhinein gesehen bedeutendsten Hengst: Maharadscha von Famulus, der mit 13 gekörten Söhnen und 97 eingetragenen Stuten enorme Bedeutung erlangt hat. Dies im Wesentlichen über seinen Sohn Flaneur, der diese bedeutende Hengstlinie über Arogno - Caprimond bis in die heutige Zucht fortführt. Aber auch die Stuten aus dieser Linie haben Zuchtgeschichte geschrieben: Mata Hari von Absalon, Maritza von Gobelin als Mutter des Hengstes Matador. Die Stute Marquise von Altan brachte über ihre bedeutendste Tochter Maharani von Flaneur die Hengste Marlon, Mahagoni und EH. Mackensen, von denen Mahagoni und EH. Mackensen sich in der Trakehner Zucht durchgesetzt haben, ihre Nachkommen spielen noch heute eine bedeutende Rolle.
Schon früh sah Gottfried Hoogen, dass die züchterische Basis der Trakehner Zucht in der Blutführung zu eng war. Auf seiner Station auf dem Vogelsangshof in Kervenheim stellte er ganz bewusst Hengste aus der polnischen und russischen Trakehner Zucht sowie Vollblut- und Araberhengste auf. Er entdeckte Burnus AAH, dessen Hengstlinie über Habicht - Sixtus bis heute erhebliche Bedeutung hat. Er holte Patron aus Polen, der mit seinem Sohn EH. Mackensen einen unserer bedeutendsten Dressurpferdevererber brachte. Erwähnt seien auch die Hengste Sir Shostakovich xx, Illit, Kosmonaut ox und zuletzt Sapros.
Es ist in diesem Rahmen nicht möglich, auf alle züchterischen Erfolge Gottfried Hoogens einzugehen. Kein anderer Trakehner Züchter nach dem 2. Weltkrieg hat sowohl über die eigene Zucht als auch über sein Hengstangebot derart Einfluss auf die Gestaltung der Trakehner Zucht im ihrer Gesamtheit nehmen können. Somit steht er in einer Reihe mit den bedeutendsten Persönlichkeiten der Trakehner Zuchtgeschichte seit 1725. Ohne staatlichen Einfluss zu haben, hat er die gleiche oder sogar noch größere Bedeutung für unsere Zucht gehabt als die bedeutenden Landstallmeister in Trakehnen Wilhelm Carl Friedrich v. Burgsdorff, Burchard von Oettingen, Graf Lehndorff und Dr. Ehlert.
Auch in der Verbandsarbeit hat Gottfried Hoogen Bedeutendes geleistet. Erst Zuchtbezirksvorsitzender im Rheinland, wurde er 1981 zum ersten Vorsitzenden des Trakehner Verbandes gewählt. Dieses Amt hatte er bis 1991 zehn Jahre lang inne. Aus erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten führte er den Verband zu einer nie gekannten Blüte. Seine Amtszeit zeichnete sich aus durch die größten Stutenzahlen der Nachkriegszeit, durch wesentlichen Zuchtfortschritt und wirtschaftlichen Erfolg. An der Gründung von Tochterverbänden, der Einigung der Trakehner Zucht "weltweit" hat er wesentlichen Anteil, ebenso an der reibungslosen Integration der ostdeutschen Zucht. Auch in der Rheinischen Landespferdezucht war er erfolgreich tätig, es ist auch ihm zu verdanken, dass diese einen hohen Trakehner Blutanteil aufweist. Politisch ging er zielstrebig und energisch seinen Weg, blieb dabei aber immer seinem Leitsatz "Versöhnen statt Spalten" treu.
Bis zuletzt nahm Herr Hoogen als Ehrenvorsitzender des Trakehner Verbandes an allem regen Anteil, er hat kaum eine Vorstandssitzung ausgelassen und stand den Züchtern mit seinem Rat zur Verfügung, auch mich hat er regelmäßig auf meinem Hof besucht und interessierte sich für meine Zucht. Von seinen tiefgehenden Kenntnissen haben wir alle profitieren können.
Gottfried Hoogen hat sich um das Trakehner Pferd verdient gemacht.
K. P. Kuhlemann
|
 |