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Klaus Rosdorff zum Gedenken
Wenige Tage vor der zentralen Jahresveranstaltung des Trakehner Verbandes, den Tagen der Hengstkörung in Neumünster, erlag Klaus Rosdorff im Alter von 72 Jahren den Folgen seines langen Leidens.
Gemeinsam mit seiner Frau Ursula hat er in Klingenhagen bei Seesen an den Ausläufern des Harzes ein Trakehner Gestüt aufgebaut, das lange Jahre zu den qualitätvollsten Zuchtstätten bundesweit zählte.
Als seinen Mentor bezeichnete er gern den Ostpreußen Erich Specht, dessen Treckstute Abendglocke v. Hannibal mit ihren Töchtern und Enkelinnen auch den Ursprung seiner Zucht bildete.
Ulrich Poll, einer der großen alten Männer dieses Verbandes, war sein Lehrmeister auf allen Gebieten der Pferdezucht und -aufzucht und auch der Ausbildung. Ihn verehrte er sehr und wurde nicht müde, seine Erlebnisse und Erfahrungen mit dem unvergessenen hochgeschätzten Hippologen zu teilen.
Abendglocke, Mutter des langjährigen Landbeschälers Abendregen, schuf in Klingenhagen die stärksten Säulen ihrer Familie und erreichte dank bester Pflege ein biblisches Alter. Abendlied v. Altan, die lebenslang im Besitz von Erich Spechts Witwe Herta verblieb, Amante v. Pregel, die Polar-Töchter Amalienborg, Ambosspolka, Abendland und andere bildeten eine eindrucksvolle Familiengruppe aus dem "Abend-Stamm".
Mit der Ibikus-Tochter Schöne Wolke aus der Steinbrückschen Schönbrunn-Dynastie betrat eine zweite, bedeutungsvolle Familienbegründerin Klingenhagener Boden. Die zweifache Hengstmutter hat sich mit ihren Nachkommen auch in sportlicher Hinsicht ein Denkmal gesetzt.
In züchterischer Hinsicht war Klaus Rosdorff ein Visionär: Er beschritt seine eigenen Wege und setzte vor allem Hengste ein, die abseits jeglicher Modeströmungen positioniert waren.
Allen Widerständen - auch seitens der Verbandsoberen - zum Trotz sicherte er sich beispielsweise den Tornado I - Sohn Polar aus der Polarfahrt-Tochter Polarzone v. Komet. Seine Intuitionen gaben ihm Recht: Die ersten herangewachsenen Jahrgänge erregten besonderes Aufsehen in ihrer Gleichmäßigkeit hinsichtlich Typ und Körperformen sowie den qualitätvollen Bewegungen.
Polars Nachfolger Epos v. Fähnrich a.d. Eleganz v. Rexow xx brachte neue und gleichermaßen seltene Gene mit. Der schönlinige, blutgeprägte Rappe passte hervorragend zu den konsolidiert gezogenen Polar-Töchtern. Epos gelang es, seinen sehr schmal gewordenen Mannesstamm durch die in Klingenhagen geborenen und hier aufgestellten Söhne Seydlitz und Schöner Preuße mit neuem Leben zu erfüllen.
Auch der Epos-Sohn Achtermann aus einer Polar-Mutter wurde in Neumünster gekört. Nach England abgegeben, avancierte er hier auch in sportlicher Hinsicht zu einem echten Werbeträger seiner Rasse und behauptete sich ebenso wie zahlreiche seiner Nachkommen im Vielseitigkeitssport im Vereinigten Königreich.
Klaus Rosdorff wurde zu keiner Zeit zu einem Verfechter von Werbekampagnen für seine Zucht und seine Hengststation. So blieben die - auch aus heutiger Sicht - blutmäßig so wertvoll gezogenen Vererber wenig beachtet und kaum benutzt.
Weitaus mehr Einfluss durfte der prämierte Matador-Sohn Tipperary aus der hochklassigen Totilas-Tochter Tip-Top nehmen. Der vornehme, in klassischem Rassetyp stehende Hengst wurde zu einem der ersten Elitehengste seiner Rasse proklamiert - und dies vor allem aufgrund der sportlichen Erfolge seiner Nachkommen. Tipperary gilt als erstklassiger Dressurvererber und diente seinem Besitzer lange Jahre als stets zuverlässiges und höchst angenehmes Reitpferd.
Unter zahlreichen bis zu höchsten Ebenen erfolgreichen Dressurpferden von Tipperary gilt es, Souverän aus der Schöne Dame v. Epos aus der Zucht von Klaus Rosdorff mit einer LGW von fast 15.000 Euro besonders herauszustellen.
Als Ehrenamtlicher hat Klaus Rosdorff einen erheblichen Teil seines hippologischen Lebensweges in den Dienst des Trakehner Pferdes und seiner Züchter gestellt. Lange Jahre hielt er als Bezirksvorsitzender die Geschicke des Zuchtbezirks Niedersachsen-Hann./Berlin in Händen und hat maßgeblich zu dessen Blüte beigetragen.
Sein heutiger, langjähriger Nachfolger Jürgen Hanke erinnert mit Stolz an ihn als seinen hoch geschätzten Freund und Lehrmeister.
Lange Jahre übte Klaus Rosdorff auch sein Amt in der Körkommission aus und war hier ein enger und unverzichtbarer Wegbegleiter für den unvergessenen Zuchtleiter Dr. Eberhard von Velsen-Zerweck.
Und auch in der Kommission für die Zentralen Stuteneintragungen hat er maßgeblich und prägend Einfluss genommen auf den derzeitigen Qualitätsstand der Gesamtzucht, auf den die Züchter mit berechtigtem Stolz blicken.
In der Klarheit seiner Persönlichkeit, seiner Korrektheit und Geradlinigkeit, seinem großen Fachwissen aber auch mit seinem unverwechselbaren Mutterwitz wird er unvergessen sein in den Reihen der Trakehner Züchter.
Ein Herzenswunsch ist für Klaus Rosdorff nicht mehr in Erfüllung gegangen: Es war ihm nicht vergönnt, in drei Jahren gemeinsam mit dem dann 30-jährigen Tipperary einen großen gemeinsamen Geburtstag zu feiern: 105 Jahre eines Menschen- und Pferdelebens. Doch die Pferde halten die Erinnerung an den bedeutenden Pferdemann lebendig: Diejenigen aus eigener Zucht und die in der weltweiten Zucht, an deren Entstehung, Werdegang und Erfolgsweg Klaus Rosdorff als Körkommissar, Zuchtrichter und betreuender Ehrenamtlicher großen Anteil hat.
Erhard Schulte
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